Was 15 Minuten tägliches Schreiben verändern (Ein Erfahrungsbericht)

18.10.2026

Aktualisiert: 27.10.2026

18.10.2026

Aktualisiert: 27.10.2026

aufgeschlagenes Journal mit Kugelschreiber und getrocknetem Herbstblatt auf Holztisch

Obwohl ich Schreiben liebe, schreibe ich nicht täglich.

Doch ab und zu beschließe ich, für eine bestimmte Zeitspanne jeden Tag 15 Minuten zu schreiben.

Ich nehme einmal am Tag mein Journal zur Hand und schreibe zu einem Thema, das in meinem Leben eine Bedeutung hat (oder haben sollte). Zu Stichpunkten, die mir spannend erscheinen, und Menschen, die mir nahe sind.

Es kann sein, dass ich über Sex schreibe, über Enttäuschungen, meinen ältesten Sohn, eine verrückte Idee, Freundschaften, Finanzen, ein belastendes Thema oder meinen Zyklus. Wie du siehst, sind die Themen bunt gemischt.

Schreibend sammle ich jeden Tag ein paar Erkenntnisse.

Zuletzt zum Beispiel folgende:

  • Dass Enttäuschungen nur die Diskrepanz sind zwischen dem, was wir erwarten, und der Realität. Ändere ich meine inneren Bilder davon, wie Menschen oder Situationen sein sollten, habe ich Einfluss darauf, ob und wie sehr ich enttäuscht bin.
  • Dass ich zwar immer wieder verrückte Ideen habe, sie aber viel zu selten in die Tat umsetze. (Why???)
  • Dass ich als Mama loslassen und vertrauen darf. (Mein Sohn ist 16, no more words needed.)
  • Dass es aktuell kein großes belastendes Thema in meinem Leben gibt. (Pure Dankbarkeit, echt jetzt!)

    Diese Technik aus dem Journaling nennt sich „Topics du Jour“ und stammt von Kathleen Adams.

    Wichtig zu verstehen ist, dass es bei den „Themen des Tages“ wirklich nur ums Schreiben geht. Wenn du das Thema „Aufräumen/Ordnung machen“ auf deiner Liste hast, räumst du also nicht 15 Minuten auf. Nein, du setzt dich an deinen Tisch (Kaffee dabei, wenn du magst) und schreibst 15 Minuten über das Thema Ordnung.

    Jetzt fragst du dich vielleicht: Und was bringt das?

    Wäre es nicht cooler, sich direkt um die Themen zu kümmern, die dran sind, anstatt nur über sie zu schreiben? Also etwas mit ihnen zu MACHEN. (Sex zum Beispiel!)

    Aber genau darum geht es nicht – es geht nicht ums Machen.

    Es geht darum, sich 15 Minuten in Ruhe Zeit für dieses Thema zu nehmen und zu schauen, was da schreibend an die Oberfläche kommt. Und es ist wirklich erstaunlich, denn neben den Erkenntnissen passieren magische Dinge.

    Während meines letzten derartigen „Schreibmarathons“ habe ich:

    • 3-mal mit meinen Eltern telefoniert und es war okay. Noch vor einem Jahr hatte ich keinen Kontakt zu ihnen, weil die Beziehung äußerst schwierig war. (Mein Hirn macht ganz klar die Verknüpfung zum Thema Enttäuschungen und es greift die alte Weisheit aus der systemischen Therapie: Wer sich ändert, verändert die Welt.)
    • Mitten in der Nacht 1,5 Stunden mit meinem ältesten Sohn gequatscht und dabei so vieles darüber erfahren, was sein Leben gerade ausmacht, wie er Dinge sieht, mit welchen Menschen er sich umgibt. Ich bin danach hundemüde und happy ins Bett gefallen und mein letzter Gedanke war in etwa: „Es ist alles gut!“
    • Mich zu einem Papierakrobatik-Workshop in der städtischen Bücherei angemeldet und zu einem Tantra-Abend. OMG, wie konnte das passieren? (Also der Tantra-Abend.) Obwohl ich schon einmal einen solchen Workshop besucht habe, katapultiert es mich doch deutlich aus meiner Komfortzone. Aber hey, die verrückten Ideen immer nur im Kopf von A nach B zu schieben, ist doch blöd, oder?

      Was ich damit sagen will, ist:

      Schreiben verändert unsere Welt!

      Es verändert, wie ich denke, was ich glaube, wo ich Zweifel aufdecke und wie ich in Beziehung zu anderen Menschen trete. Klar kann ich viele Erkenntnisse haben und doch nichts umsetzen.

      Doch die Anmeldung zum Tantra-Abend, über die ich schon seit 3 Wochen nachgedacht hatte, war schnell erledigt, nachdem ich beim Schreiben am Morgen erkannt hatte: es braucht dringend mal wieder was Verrücktes in meinem Leben!

      Es sind solche Schreibimpulse wie die „Topics du Jour“, die ich auch an meinen Online-Schreibabenden weitergebe. Sie bereichern das eigene Schreiben und dabei sind sie nicht nur „nice“, sondern können echte Veränderungen bewirken. Und das, obwohl es nicht mehr braucht als ein Wort und 15 Minuten Zeit, die du dir selbst schenkst.

      Nicht immer muss das Schreiben übrigens so zeitintensiv sein.

      Wenn du dich entscheidest, nur jeden zweiten Tag zu schreiben oder nur am Wochenende, ist das auch vollkommen in Ordnung. Ich selbst schreibe bei weitem nicht täglich, doch jedes Jahr im Herbst habe ich das innere Bedürfnis, mehr zu schreiben. Ist wahrscheinlich so ein Zyklus-Ding von innerer Klarheit, No-Bullshit in my life und Aufräumen.

      Apropos Aufräumen!

      Ich habe endlich mal wieder meinen Kleiderschrank ausgemistet und 4 (Leute, vier!) Säcke mit Klamotten aussortiert. Vom alten T-Shirt aus meinem Freiwilligen Sozialen Jahr (1999/2000 war das) über das Hemd mit dem hartnäckigen Fettfleck (Kann ich ja „dohoim rum“, wie man im Schwäbischen so schön sagt, noch anziehen – ja klar, ich ziehe total gerne Hemden mit Fettflecken an, wenn mich niemand sieht!) bis zu den f*cking Jeans, die mir schon zu eng sind, seit ich mein erstes Kind geboren habe.

      Beim Schreiben kam die Erkenntnis, dass ich keine Lust mehr habe, Klamotten in meinem Schrank zu bunkern, die hässlich sind oder mir nicht passen.

      Journaling wirkt bis in meinen Kleiderschrank hinein.

      Wenn ich ihn öffne, denke ich seit Neustem: Geil!

      Ich bin Simone Vogel

      Schreiben gehört schon immer zu meinem Leben und ich liebe es. Mit 14 habe ich Tagebuch geschrieben, heute würde ich das, was ich tue, eher Journaling nennen, und einem Teil von mir ist es ziemlich egal, wie es heißt: Hauptsache schreiben und das Glücksgefühl, das sich danach einstellt!

      Ich finde, dass es keine raumgreifende, ultradisziplinierte Schreibroutine braucht, um sich wirklich Schreibnudel zu nennen. Wer gerne schreibt, der darf dies auch nur manchmal tun oder eben so, wie es gut in das eigene Leben passt. An meinen monatlichen Online-Schreibabenden gebe ich diese Art des Journalings weiter: entspannt, verbunden und ohne den Druck, dass immer etwas Bahnbrechendes daraus entstehen muss. Denn Magie können wir nicht erzwingen, doch sie entsteht oft von ganz alleine – in den Momenten, in denen wir uns Zeit für uns selbst nehmen und unser Innerstes schreibend erkunden.